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Wie sich Qualitätssicherung durchsetzt

Unser Artikel im letzten Newsletter Bauherren stehen auf Qualitätskontrolle sorgte bei einigen Lesern für Kopfschütteln. Andere freuten sich, dass wir über den Trend berichtet haben.

"Ich bin Energieberater und Bausachverständiger (Fachrichtung Bauschäden). Aus meiner Sicht ist die von Ihnen im Artikel dargestellte Sicht nicht korrekt. Viele Bauherren haben noch nicht verstanden (oder verstehen erst zu spät), dass die "Geiz ist geil"-Mentalität beim Bauen höchst kritisch ist und sich letztlich in den wenigsten Fällen auszahlt. Das Verständnis, eine adäquate Bauleitung und eine hochwertige handwerkliche Ausführung zu wollen ist schon vorhanden, lediglich die Bereitschaft den angemessenen Preis dafür zu zahlen fehlt bei vielen Bauherren meist total. Gleiches gilt für die Bauqualitätsüberwachung bei GU- oder Fertighausfirmen, so meine Erfahrung. Dann sind selbst 1200 bis 1500 Euro für eine Bauqualitätsüberwachung zu viel, dafür könnte die Dusche mit flacher Ablaufrinne ja schon bezahlt werden... Das böse Erwachen kommt dann oft später [...]"

Qualitätssicherung: Vom Muss zur Selbstverständlichkeit

Wie dieser Kollege die Situation beschreibt, ist sie durchaus in ganz Deutschland vorzufinden, aber nicht an jedem Ort. Aus den bestätigenden Zuschriften, die wir auf den Artikel erhalten haben, lassen sich einige Dinge ableiten:

Dort wo Qualitätssicherung öffentlichkeitswirksam gefördert oder sogar gefordert werden, existiert tatsächlich eine deutlich höhere Nachfrage und auch bei Selbstbeteiligung an den Kosten eine entsprechende Akzeptanz.

Dass viele Bauherren gerne auf die Erfahrungen anderer Bauherren zurückgreifen wollen, hat beispielsweise in Neubaugebieten unmittelbare Konsequenzen für die Nachfrage nach Qualitätssicherung. Zwar werde auch versucht, nur mit den Erfahrungen der neuen Nachbarn über die Runden zu kommen, viele der zweiten oder dritten Bebauungswelle ziehen dann aber doch einen Profi hinzu.

Besonders vorbildlich scheint das Beispiel einer regional tätigen Bank zu sein. Sie gewährt Baukredite zu besseren Konditionen, wenn eine Qualitätssicherung vorgenommen wird: "Wir haben einfach festgestellt, dass auch unser Risiko so geringer ist. Und, man darf das ja gar nicht laut sagen, aber die Qualitätssicherung fängt bei uns schon damit an, dass wir im Notfall auch vor der einen oder anderen Baufirma warnen."

Mehrere Energieberater berichteten zudem, dass sich das Qualitätsbewusstsein bei Energieberatungskunden neuerdings stark wandeln würde. "Wer sich dann zur Modernisierung durchringt, kommt heute fast immer auch mein Angebot begleitender Kontrollen zurück. Die Energieberatung vor Ort und das Aufzeigen von Problemzonen sind dafür eine ideale Visitenkarte."

"Schlaflose Nächte vermeiden"

Wie so oft, stehen auch bei der Qualitätssicherung die Kosten zu sehr im Vordergrund. Anbieter sollten sich aber auch noch andere Argumente zunutze machen. So schreibt uns ein Bauherrenberater: "Auch wenn der Bauherrenberater nur berät, kann er doch den Bauherren in seiner Entscheidungsfindung wesentlich unterstützten. Er kann viele Baumängel aufdecken, die der Bauherr trotz Studium der bunten Baupresse nie erkennen und werten könnte und vor Abnahme zur Beseitigung solcher beitragen. Bauherren neigen auch schnell zu Überbewertungen. Schlaflose Nächte und viel Ärger mit den Ausführungsfirmen sind dann vorprogrammiert. Schon die Teilnahme eines Bauherrenberaters am Bauprozess zwingt die Bauausführenden zum gewissenhafteren Arbeiten. Aus meiner Erfahrung lassen sich bei Mitwirkung des Bauherrenberaters dann viele Probleme und Mängel im Rahmen des normalen Bauablaufs einvernehmlich zwischen ausführenden Handwerken und Bauherr klären."

Eigentlich fehlt eine Qualitätsoffensive

Dieser Automatismus stellt sich aber nicht überall ein. Ernüchterung über die Fortschrittsgeschwindigkeit, mit der sich der Qualitätsgedanke im gesamten Bauprozess durchsetzt, war darum auch zu lesen: "Es ist kaum zu glauben, dass es bei der Mehrzahl von Mangelhinweisen eigentlich nicht um neueste Erkenntnisse beim Bauen geht, sondern um ‚altes Handwerk' und um ‚Selbstverständlichkeiten'. Oft müssen wir dieselbe Firma und sogar dieselben Bauleiter auf mehreren aufeinander folgenden Baustellen auf die gleichen Mängel hinweisen. Es scheint vielfach noch eine Mentalität zu existieren, dass das in Kauf nehmen von Mängeln unter dem Strich günstiger als eigene Qualitätssicherung ist. Manchmal wird allerdings auch so geplant und ausgeschrieben, dass Mängel vorprogrammiert sind. Eigentlich fehlt eine Qualitätsoffensive auf breiter Basis." GLR